Das Maxenhaus auf dem Dorfplatz
Baugeschichte
Das Haus wurde 1547/48 von Melchior Ruffiner (sein mögliches Steinmetzzeichen (auf einem M stehendes Kreuz) steht auf dem heute fast versunkenen Portalbogen an der Westfassade und auf dem Ofen in der Stube des 1. OG) für den eh.
Landvogt von Evian und Bannerherrn des Zenden Raron Stephan Maxen (auch Magschen) erbaut. Der Bauherr ist bezeugt in einer Inschrift auf einem Deckenbalken der Wohnstube im 1. OG (« SUBS AUSPICIIS SPECTABILIS STEPHANI MAGSCHE, GUBERNATORIS AQUIANNI ET BANDERETI DES[ENI] RARON[IEN]SIS CONSTRUCTI (?) E HOC OPUS ANNO SALUTE 1548», was bedeutet: «Unter Aufsicht des angesehenen Stephan Maxen, Landvogt von Evian und Bannerherr des Zenden Raron wurde dieses Werk errichtet im Jahre des Heiles 1548»). Die gleiche Jahrzahl ziert den Rundofen (1. OG, Stube) mit den Wappen der Magschen und Am Hengart. An der Westfassade ist ein einstiger Hauseingang mit der Jahrzahl 1547 fast vollständig zugeschüttet. Im Norden ist eine Rundbogenöffnung mit für das16. Jh. typischer Profilierung ebenfalls fast vollständig zugeschüttet. Die hölzernen Stubenwände des 1. OG, bestehen zum Teil aus Balken des 15. Jh. (SCHMIDHALTER), die womöglich von einer früheren Bauphase oder einer Zweitverwendung stammen. An der Nordfassade wurde 1628 ein Portal geöffnet. 1702-1704 wurde im Westen eine zweigeschossige Säulenloggia angebaut. Die untere Loggia wurde später durch die Geröllmassen des Bietschbachs fast vollständig verschüttet. Der östlich angrenzende eigenständige Gebäudeteil steht auf den Grundmauern eines vormals mehrstöckigen Gebäudes (Abbruch um 1900?), welches das Maxenhaus um eine Etage überragte. Im 20. Jh. erfuhren die Fassaden eine Neugestaltung (Grobverputz, Änderung einiger Öffnungen).
Beschreibung
Beschreibung / Begründung:
Das Maxenhaus mitten im historischen Kern von Raron steht am Dorfplatz und an der historischen Staldengasse, die zum Burghügel und weiter nach St. German und nach Ausserberg führt. Das Gebäude setzt sich aus einem Hauptvolumen im Westen und zwei Seitenvolumen im Osten zusammen. Das Hauptvolumen mit steinplattengedecktem Satteldach erhebt sich über einem rechteckigen Grundriss und ist ein typischer Mischbau, bestehend aus einem zweieinhalbgeschossigen Kantenblockbau (mit einer Mantelmauer versehen) auf einem teils in den Boden eingetieften Steinsockel (EG) und einem Steinhinterhaus, das in den Wohngeschossen urspr. als Küchenbereich diente. Auf der westlichen Traufseite ist eine zweigeschossige Säulen-Loggia mit Kreuzgratgewölbe und Tuffsäulen angebaut. Die Giebelfassade im Süden ist in den Obergeschossen durch Rechteckfenster mit Tuffrahmen gegliedert (Einzelfenster oder mehrteilige Zeilen), die einer durchgehenden Fensterbank aus Tuff aufliegen. Die Fassadendurchbrüche im Westen sind tuffgerahmt, jene im Norden tuff- oder ungerahmt. Auffallend sind im Westen ein fast völlig aufgefülltes Bogenportal aus der Bauzeit mit Jahrezahl (1547) und Steinmetzzeichen von Melchior Ruffiner (?) und im Norden das Tuffbogenportal mit Kämpfern von 1628 (unter Wappentafel mit Datum) sowie das weitgehend verschüttete bauzeitliche Bogenportal mit zweifach gekehltem Tuffprofil. Die Süd- und Westfassaden sind mit einem Grobverputz des 20. Jh. versehen. Im Inneren sind im 1. OG des Hauptvolumens (im Holzbau) die Stube und die Kammer erhalten, mit urspr. Holzelementen (darunter die Trennwand mit profilierten Deckleisten, die profilierten Deckenbalken, die Blockbaubalken, die Bodenbretter) und dem zweigeschossigen runden Specksteinofen in der Stube (mit Wappenzier und Jahreszahl der Entstehung (1545) sowie Jahreszahl der Renovation (1816)). Die Blockwände sind bis unter das Dach erhalten und bilden im 2. OG urspr. eine grosse Stube sowie im DG eine Firstkammer. Die zwei jüngeren, im 20. Jh. tiefergesetzten Seitenvolumen im Osten bestehen aus einem eingeschossigen Bau mit Flachdachterrasse im Süden und aus einem zweigeschossigen Massivbau unter steinplattengedecktem Pultdach im Norden. Das Maxenhaus gehört zu den repräsentativsten Wohnhäusern des historischen Dorfkerns von Raron und sticht mit seinen Säulenloggien, die kunsthistorisch mit dem Stockalperschloss in Brig oder dem Burgenerhaus in Visp verglichen werden, besonders hervor. Das an gut sichtbarer Lage am Dorfplatz gelegene Gebäude prägt das nationale Ortsbild wesentlich mit. Der Wohnbau ist ein bedeutendes Zeugnis eines im Umkreis von Ulrich Ruffiner tätigen Prismeller Baumeisters und Ofenbauers des 16. Jh. Die historische Substanz reicht bis ins 15. Jh. und ist zu erhalten.
Quelle
Dokumente / Quellen / Bibliografie: Raphael VON ROTEN, «Von alten Häusern in der Gemeinde Raron» in Vallesia, XI (1956), S. 92- 95. Werner BLÖTZER (Büro für Architektur + ORL), Ortsplanung Raron – Schlussbericht, 1977, Anhang 1, Inv.-Nr. 20. Paul Heldner, Alphons Pfammatter, «Dorfchronik Raron St. German», 1988, S. 42. Felicitas CLEUSIX-FUX, Raron – St. German, Brig, 1997, Nr. 4. Roland Flückiger-Seiler, «Die Bauernhäuser des Kanton Wallis», Band 2, 2000, pp. 87, 130-132. Klaus AERNI, Gaëtan CASSINA, Philipp KALBERMATTER, Anton NANZER, Elena RONCO, Gregor ZENHÄUSERN, Ulrich Ruffiner von Prismell und Raron, Sitten, 2009 (2. Auflage), S. 49. Daniel KISSLING, Michel DELALOYE, Jan KANSY, Architektonisches Kulturerbe von Raron und St. German. Auf den Spuren der Bausteine und ihrer Herkunft, Visperterminen, 2023, Nr. 2.
Text: DIB Dienststelle für Immobilien und Bauliches Erbe, Kanton Wallis








