Altes Pfarrhaus auf der Burg
Baugeschichte:
Das alte Pfarrhaus aus der ersten Hälfte des 16. Jhs. entstand am Westrand des Burghügels, unter Miteinbezug der hochmittelalterlichen Ringmauer (Westseite). Der ursprüngliche Bau auf fast quadratischem Grundriss (ca. 10x10m) bestand aus einem Steinbau, dem später ein zweigeschossiger Blockbaukasten in der Süd-Ost-Ecke (1. und 2. OG) hinzugefügt wurde. Später wurden die Holzfassaden steinummantelt, die Fensteröffnungen geändert, das Satteldach mit Treppengiebel versehen, im Nord-Osten die steinerne Wendeltreppe eingebaut, im Westen die Fassade zum Hang hin verschoben und im Nord-Westen ein gemauerter Latrinenanbau hinzugefügt. 1783 entstand im Norden ein Blockbauanbau mit Pultdach und Mauersockel. Im Verlauf des 19. Jhs. wohl wurden die Treppengiebel aufgegeben. Das Gebäude wurde zu Beginn der 1990er Jahre von der Munizipalgemeinde Raron letztmals grosssaniert, um als Museum umgenutzt zu werden (Museum auf der Burg). Am 24.04.1991 wurde das alte Pfarrhaus unter die vom Kanton geschützten Denkmäler aufgenommen.
Beschreibung / Begründung:
Das alte Pfarrhaus von Raron setzt sich aus einem Hauptkörper und einem nördlichen Anbau zusammen. Der Hauptkörper mit fast rechteckigem Grundriss und Satteldach ist ein Steinbau mit Blockbaukasten in der Süd-Ost-Ecke mit steinummantelten Fassaden. Er setzt sich aus zwei Wohngeschossen über einem Saalgeschoss und einem Kellergeschoss zusammen. Eine West-Ost-Binnenwand trennt die Geschosse in einen grossen SüdRaum und einen schmalen Nord-Raum. Der Nordraum ist in das Treppenhaus mit Stein-Wendeltreppe (Nordostecke) und einen Küchenbereich (Nordwestecke) geteilt. Die Wohngeschosse sind durch die Westwand des Blockbaukastens in ein grösseres Ost-Zimmer und ein kleineres West-Zimmer getrennt. Eine schmale Wand wiederholt diese Trennung im Saalgeschoss. Die unregelmässigen Öffnungsachsen der Fassaden sowie die unterschiedlich gestalteten Rahmungen deuten auf verschiedene (Um-)Bauphasen hin. Die Südzimmer der zwei Wohnstockwerke sind mit Täfer aus dem 19. Jh. und Parkettboden verkleidet sowie im ersten Wohnstockwerk mit einem zweigeschossigen Giltsteinofen mit dem Meisterzeichen Kreuz auf M (Meister aus dem Umkreis Ulrich Ruffiners) und im zweiten Wohnstockwerk mit einem dreigeschossige Giltsteinofen von 1904 ausgestattet. Ein sekundär verbauter Balken mit Inschrift von 1656 (entdeckt im 1. OG, Westteil) wird heute im Dachboden aufbewahrt. Weitere Deckenbalken mit Kreuzdekor sind erhalten. Der nördliche Anbau unter Pultdach setzt sich aus einem eineinhalbgeschossigen, einraumtiefen und -breiten Blockbau (mit Balkeninschrift, 1783) mit steinummantelter Westfassade auf einem zweigeschossigen Sockel aus Stein- und Riegwerk zusammen. Die Holzfassade im Osten zeigt ein ursprüngliches Dekor mit Pfeilschwanzfries unter Zickzacklinie. Die Estrichfensterchen sind ursprünglich, während die anderen Fensteröffnungen grösstenteils verändert wurden. Gemeinsam mit der Burgkirche, dem Wohnturm, dem Friedhof und den Überresten der Ringmauer bildet das alte Pfarrhaus auf dem Burghügel ein bemerkenswertes Ensemble an hervorragendem Standort, das für das Siedlungsbild (nationaler Bedeutung) von Raron aber auch für das Erscheinungsbild des Rhonetals von grosser Bedeutung ist. Das historisch gewachsene alte Pfarrahaus enthält zahlreiche Zeugen aus den verschiedenen (Umbau-)Phasen, die es zu erhalten gilt, darunter Mauerelemente der Ringmauer aus dem 11. Jh.
Dokumente / Quellen / Bibliografie: Walter RUPPEN, „Die Kirche ‚St. Roman‘ auf der Burg“, in Alfred SCHMID (Dir.), Raron, Burg und Kirche, Basel, 1972, S. 77-78. Werner BLÖTZER, Ortsplanung Raron Schlussbericht, 1977, Anhang 1, Inv.-Nr. 15. Felicitas CLEUSIX-FUX, Raron – St. German, 1997, Nr. 12. Klaus AERNI, Gaëtan CASSINA, Philipp KALBERMATTER, Anton NANZER, Elena RONCO, Gregor ZENHÄUSERN, Ulrich Ruffiner von Prismell und Raron, Der bedeutendste Baumeister im Wallis des 16. Jahrhunderts (2. Auflage), Sion, 2009, pp. 83-84. Carmela KUONEN ACKERMANN, „Das alte Pfarrhaus auf der Burg“, in S. PROVIDOLI, M. PORTMANN, W. RUPPEN et al., Die Burgkirche von Raron, Bern, 2022, S. 6-7.
Text: DIB Dienststelle für Immobilien und Bauliches Erbe, Kanton Wallis








