Das Kaplaneihaus

Fast sich an die Kirche anschmiegend, nur durch ein enges Gäßchen davon getrennt, führt das Kaplaneihaus von St. German, ein bescheidenes, so zu sagen demütiges Dasein. Seine gotische Türeinfassung aus Tuffstein, trägt die Jahreszahl 1474, und die beigefügten Initialen L. Z. bekunden, daß zu dieser Zeit der ehrw. Laurentius Zender, Altarist und Kaplan war.

Der wievielte Benefiziat mag er gewesen sein, seit der Stiftung der Kaplanei 1 361 ? Wir wissen es nicht, wir wissen aber, daß nach ihm (1512) noch ein Altarist des Namens Zender Bernhard in St. German (erscheint als Wohltäter der Kirche auf der Burg) oder Raron die Seelsorge ausgeübt hat. Sein Kelchwappen ist mit den Initialen B. Z. am Gewölbe der Burg­kirche angebracht. Wir wissen auch, daß das Benefizium des Altaristen zum hl. Antonius, dem Einsiedler, schon lange als Stiftung der Leute der vier Gemeinden Raron, Außerberg, Unterbäch und Bürchen bestanden hat (Peter Roten und seine Mithelfer bei der Bruderschaftsstiftung haben in Anbetracht dieses Umstandes dieselbe St. Antoni-Bruderschaft genannt).

Denn im Jahre 1 385 hat in Gegenwart des edlen Anton Esperling, Meiers von Raron, Berchtold Bitschin und Lücho Johann von St. German, die im Namen aller Pfarrgenossen handelten, sowie im Beisein des ehrw. Johannes von Aernen, Domherrn von Sitten und Pfarrers von Raron, und des Priesters Johannes »in dem Bistur« (Bister) von Morel, der bisherige Altarist Jakobus zum Schnee (ad Nives), sein Beneficium zum hl. Antonius resigniert, worauf dieselben Herren den ersten als Altaristen gewählt haben. Die Altaristenpfründe in St. German ist nämlich uralt und weil vor der Stiftung der Kaplanei das Dorf nicht St. German geheißen hat, so ist die Volkstradition nicht ab­zuweisen, welche sagt, daß der Ort »im Schwarzen Wald« genannt wurde.

Unterstützt wird diese Ansicht durch das ehemalige Vorhandensein uralter Heiligenstatuen. (Es war ein hl. Sigismund oder Karl der Große, ein sitzen­

der Bischof und eine polychrome Madonna). Alle diese Statuen befanden sich in der Krypta (sie sind vom damaligen Pfarrer 1896 (?) an einen An­tiquitätenhändler verkauft worden). Die Tradition sagt, es sei die Krypta mit dem darübergebauten Chor einst das Kapellchen des Ortes gewesen, was ganz gut möglich ist, da Krypta und Chor gotisch, das Kirchenschiff dagegen im Renaissancestil gebaut ist.

Das Kaplaneihaus besteht aus zwei Stockwerken. Das erste enthält neben der Stube noch ein Nebenkämmerchen und einen an dieses angebau­ten Saal aus Mauerwerk. Dieser Saal scheint später angebaut worden zu sein, obgleich er übrigens auch vor 2—3 Jahrhunderten errichtet sein mag.

Die Jahreszahl über der Hauspforte sagt, daß das ganze für einen Altari­sten gebaut worden und durch Jahrhunderte unverändert geblieben ist.

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