Das Zmilacherhaus
Baugeschichte:
Das Gebäude setzt sich aus verschiedenen Bauphasen zusammen. VON ROTEN berichtet der Volkstradition zufolge über eine mögliche Datierung des Gebäudes um 1200 oder um 1400. BLÖTZER datiert das feste Mauerwerk in die Zeit um 1400 und die Trichterrinnenfriese der Blockbaufassaden in die Zeit um 1500-1530. Die Friese sind ein Zierelement des Spätmittelalters (laut RUPPEN: 1510-1540, besonders häufig um 1530). Die ungefähr mittige Mauernaht im Steinsockel der Hauptseite könnte auf die Erweiterung eines Kerngebäudes hinweisen. Aufstockungen und die Zusammenlegung unter einem einzigen Satteldach könnten zum heutigen Erscheinungsbild geführt haben, das durch seine unterschiedlichen Öffnungsarten auffällt. Im obersten Geschoss sind eine Balkeninschrift mit den Namen der Eheleute Johannes Zmilacher und Anna Schroeter und der Jahreszahl 1668 sowie ein Specksteinofen mit der Jahreszahl 1663 erhalten und deuten auf einen Umbau in diese Zeit; eine Aufstockung ist möglich, allerdings scheint das Gebäude auf einer Ansicht von Raron aus der Zeit um 1650 (Hans Ludolff zugeschrieben) bereits das heutige Volumen zu besitzen. Die Fenster des Blockbaus wurden zu unbestimmter Zeit vergrössert (Unterbruch der Zierfriese). Der Holzoberbau des jüngeren Anbaus mit Pultdach im SO wurde im letzten V. des 20. Jh. abgebrochen. 1979 wurde das Gebäude vom Kt. unter Schutz gestellt und 1979 bis 1988 in mehreren Etappen restauriert (Neues Dach, Restaurierung und Festigung der SW-Steinfassade, Einsatz von Betonelementen (Böden und SW-Fensterzeile im 3. OG)).
Beschreibung / Begründung:
Das in den Hang eingetiefte Haus mit Satteldach (steinplattengedeckt und mit dünnschichtigem Ortdetail) steht mitten im Oberdorf und ist giebelständig zum tiefer gelegenen Dorfplatz ausgerichtet. Das Gebäude ist rückseitig bis zum obersten Geschoss in den Hang eingetieft. Das zweieinhalbgeschossige Wohnhaus über zweigeschossigem Steinsockel ist in Mischbauweise errichtet, mit angebautem neuerem Wohnhaus (Inv.-Nr. 319.200) an der Frontseite (SW). Der breit proportionierte Wohnbau ist über einem rechteckigen Grundriss errichtet, mit einer Erweiterung im SO (heute sockelhoher Steinbau über dreieckigem Grundriss, mit Terrassendach, bis in die 2. H. des 20. Jh. mit Holzoberbau unter Pultdach). «[Die Steinmauern] bestehen aus Steinen unterschiedlicher Grösse und Herkunft: Bruchsteine aus Steinbrüchen sind mit gerundeten Blöcken aus Bächen oder sogar aus der Rhone kombiniert.» (KISSLING et al.). Der historische Verputz mit Fugenstrich ist z.T. erhalten. Im SO ist in den Wohngeschossen ein Vorderhaus in traditioneller Kantenblockbauweise eingefügt. Die Fassaden zeichnen sich durch vielfältige Durchbrüche aus. Die Hauptfassade (SW) besitzt rechts im 2. Sockelgeschoss schartenähnliche in die Fassade eingetiefte kleine Öffnungen, darüber im 1. Blockbaugeschoss eine 5-teilige Fensterzeile, im 2. Blockbaugeschoss eine 4-teilige Fensterzeile mit spätmittelalterlichen Trichterrillenfriesen und im Dachgeschoss ein einziges Rechteckfenster. Die Fenster im Blockbau wurden vergrössert. Mittig besitzt die Hauptfassade im 1. Sockelgeschoss ein Rundbogenportal mit Tuffrahmen, im 2. Sockelgeschoss eine schartenähnliche hohe Öffnung mit gefastem Tuffrahmen, im 1. Wohngeschoss zwei hohe und schmale Zwillingsfenster mit verputztem Mittelpfosten und gefastem Tuffrahmen sowie im 2. Wohngeschoss eine 4-teilige Fensterzeile mit verputzten Stichbogenlaibungen und Fensterpfosten. Links besitzt die Hauptfassade im 1. Wohngeschoss, eine 4-teilige Fensterzeile, deren urspr. verputzte Rahmung in den 1980er Jahren aufgrund von Einsturzgefahr vollständig durch eine Betonrahmung ersetzt wurde. Im 2. Wohngeschoss sind eine zweiteilige Fensterzeile und ein Rechteckfenster mit Holzsturz und darüber ein kleines Rechteckfenster eingelassen. Die Fenster zwischen den verschiedenen Teilen der Hauptfassade sind nicht auf derselben Höhe eingelassen. Seitlich und rückseitig sind weitere Öffnungen in die Fassaden eingelassen, darunter mehrere tuffgerahmte Rechteckfenster und eine tuffgerahmte Rundbogentür, die auf der Gebäuderückseite zum obersten Wohngeschoss führt. Aufgrund seiner erhöhten Lage über dem Dorf und seiner Position unmittelbar an der steil ansteigenden Staldengasse kommt dem Gebäude für das Ortsbild nationaler Bedeutung eine hohe Bedeutung zu. Das im Kern vielleicht sogar bis ins Hochmittelalter zurückreichende Gebäude zeigt an den Fassaden zahlreiche Elemente, die von der Entwicklung vom Mittelalter über die Barockzeit bis in die Moderne zeugen und die es zu erhalten gilt. Eine archäologische Untersuchung des Gebäudes würden neue Kenntnisse zu seiner Entwicklung geben
Dokumente / Quellen / Bibliografie: Raphael von ROTEN, «Von alten Häusern in der Gemeinde Raron», in Vallesia, 1956, S. 83-84. RUPPEN, Das Obergoms, die ehemalige Grosspfarrei Münster, Basel, (Die Kunstdenkmäler der Schweiz, Bd. 64; Die Kunstdenkmäler des Kantons Wallis, Bd. I) 1976, S. 18. Daniel KISSLING, Michel DELALOYE, Jan KANSY, Architektonisches Kulturerbe von Raron und St. German. Auf den Spuren der Bausteine und ihrer Herkunft, Visperterminen, 2023, Nr. 4. Felicitas CLEUSIX-FUX, Raron – St. German, Brig, 1997, Nr. 7. Werner BLÖTZER (Büro für Architektur + ORL), Ortsplanung Raron – Schlussbericht, 1977, Anhang 1, Inv.-Nr. 4.
Text: DIB Dienststelle für Immobilien und Bauliches Erbe, Kanton Wallis








