Das Ruffenerhaus im G’staad

Am 17. August des Jahres 1505 fand im Pfarrgarten bei der alten Kirche im Dorfe die von Bischof Matthäus Schiner einberufene Versamm­lung der vier Viertel der Pfarrei Raron statt, um über den Ort, wo die neue zu bauen sei, zu entscheiden. Gewählt wurde bekanntlich das von der Mazze zerstörte Burgkastell. Die Wahl des Baumeisters wurde höchstwahrschein­lich Schiner überlassen. Dieser erkor den ehrsamen Steinmetzen Ulrich Ro- wina von »Prismell« [— Riva] im Val Sesia, der nach Meinung Dr. Riggenbachs am Bau des Bernermünsters gearbeitet hatte. Der Neubau auf der Burg wird mutmaßlich drei Jahre in Anspruch genommen haben, denn zu­vor mußte das hinderliche Mauerwerk der Ruine entfernt und das Stein- und andere Material zubereitet werden. Im Jahr 1512 war der Kirchenbau zu­meist vollendet und 1514 wurde derselbe von dem inzwischen zum Kardi­ nal erhobenen Bischof Schiner eingeweiht. Die Zufriedenheit des Grund­viertels Raron mit dem Baumeister Rovina kam dadurch zum Ausdruck, daß er ihn in seinen Bürgerverband aufnahm. Dadurch ermutigt, erstellte dieser am Fuße des Burgfelsens ein bescheidenes Häuschen. Er hat sichtlich seinen Stolz darin gesetzt, in der Sprache seiner neuen Mitbürger dies kund zu tun durch eine Inschrift wie folgt: »diesen buw hat macht ulrich rufener von pressinell do man zalt 1513 jar«. Auf dem Ofen hat Meister Rufener in einer Wappentafel sein Meisterzeichen mit der Jahreszahl 1514 angebracht.

Über seine Familienverhältnisse ist keine Kunde auf uns gekommen. Wahrscheinlich war Rufener, als er ins Wallis kam, bereits verheiratet, denn sein ältester Sohn Johann war beim Kirchenbau unter seinen Gehilfen, wie im Kirchenchor über dem Hochaltar in einer Zwickelblume die Initialen J. R. bezeugen. War die Ehefrau des Meisters eine Italienerin oder Deutsche, wir wissen es nicht. Sicher aber ist, daß ihm im G’staadt bei Raron noch wenig­stens drei Söhne geboren wurden, denen er allen Namen von Pfarreipatro­nen geben ließ, nämlich Roman, German (?) und Nikolaus. Der älteste Sohn verblieb in Raron und schloß zweifelsohne den Ehebund mit einer Rarnerin. Von ihm stammen die hiesigen Rufener ab. Da Meister Rufener beim Kirchenbau sich als tüchtiger Steinmetz bewährt hatte und auch anderwärts im Wallis berufen wurde, z. B. nach Sitten, um den Bau von St. Theodul zu leiten, nach Naters zum Beinhausbau, nach Glis zum Bau des Chors und der St. Anna-Kapelle, etc., soll er sich dortselbst an der Heerstraße ein noch stehendes Haus gebaut haben und darin gestorben sein, wie Dr. Riggenbach glaubt. Seine andern Söhne aber scheinen sich im Zenden Leuk niedergelas­sen zu haben. Pfr. Lauber behauptet, die Rufener dieses Zendens, stamm­ten sämtliche von Raron her. Auch wird gesagt, ein Rufener habe bei Gele­genheit des Straßenbaues über den Lötschbergpaß eine Berner Oberländerin geheiratet und sei so der Stammvater aller dortigen Rufener geworden.

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